SPD-Ortsverein seit 1919

Der SPD-Ortsverein Kösching besteht seit 1919 und wurde am 09. November 1946 wieder gegründet. Unserer Geschichte fühlen wir uns stark verbunden.

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) ist die älteste noch bestehende Partei in Kösching. Die Wurzeln reichen weit zurück. Durch den Festungsbau, Eisenbahnbau, der Bayerischen Geschützgießerei mit Hauptlaboratorium („Laboratori“) in Ingolstadt und ab 1917 auch mit der Munitionsfabrik („Muna“) in Desching, hatten viele Köschinger Brot und Arbeit erhalten. „Dadurch ist das menschliche Potenzial für die Anfänge einer Arbeiterbewegung in Kösching entstanden“, so der Historiker Dr. Theodor Straub.

Ohne die bewegte Geschichte des letzten Jahrhunderts wäre vieles sicherlich anders verlaufen. Die beiden Weltkriege, die Diktatur des „Dritten Reiches“ und der Wiederaufbau unseres Landes haben auch die Geschichte dieses Ortsvereins in Oberbayern stark geprägt. Und natürlich die Personen, die sich im Laufe ihres Lebens entschlossen haben, sich zu den Idealen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands zu bekennen, die da lauten „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ und die heute noch gelten bzw. gelten sollten, auch wenn diese Forderungen bereits vor 147 Jahren auf die Fahnen der SPD geschrieben wurden. Dazu gehören Männer und Frauen, die für dieses Bekenntnis in manchen Zeiten verfolgt, eingesperrt und umgebracht wurden.

„Vor dem ersten Weltkrieg bildeten SPD-Wähler in Kösching noch eine winzige, verachtete Minderheit. Sensationelle erste drei rote Stimmen gab es schon bei der Reichstagswahl 1890. Aber bei der Reichstagswahl 1903 waren es immer noch nicht mehr, im Jahre 1907 immerhin schon dreizehn und bei den letzten Vorkriegswahlen dann 23“, so der Heimatpfleger Rudolf Winterstein in seinen Ausführungen über die Arbeiterbewegung in Kösching.

Die Anfänge nach dem Ersten Weltkrieg

Aber der Krieg mit seinen Erfahrungen und seinen Veränderungen in der Bevölkerung brachte auch in Kösching eine revolutionäre Wende. Die erste Nachkriegswahl zum Reichstag im Januar 1919 zeigt die Sozialdemokratie mit 334 Stimmen plötzlich als ernstzunehmende politische Größe neben und hinter der immer noch übermächtigen Bayerischen Volkspartei (BVP) mit ihren 724 Wählern. In der Folge spaltete sich die Arbeiterbewegung und die Köschinger Arbeiterschaft stand fast geschlossen im Lager der sozialistischen Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD 228 Stimmen; MSPD 36 Stimmen; BVP 501 Stimmen).

Im Jahr 2006 feierte die SPD Kösching ihre 60-Jährige Wiedergründung nach dem Zweiten Weltkrieg. Historiker Dr. Theodor Straub erläuterte seine Untersuchungen in einem Festvortrag. Danach stammt die erste bisher bekannte Nachricht über die Existenz eines „Sozialdemokratischen Vereins Kösching“ vom 1. Mai 1920. Damals fand im Bachbräu (heute Pizzeria Locanda, Untere Marktstraße) eine Mai-Feier mit Familienunterhaltung statt. Nach Meinung des Historikers erfolgte spätestens im Jahre 1920 die Gründung des Gewerkschaftskartells Kösching. Im gleichen Jahr, oder wahrscheinlich schon 1919, habe es eine Ortsgruppe der USPD – Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands – gegeben, die ebenfalls im Bachbräu ihre Versammlungen abhielt.

Eine kleine Sensation und die Bestätigung der gemachten Vermutungen ergaben sich im August 2009, als der verschollene erste Band des Köschinger Anzeigers von 1919 wieder auftauchte. Dieses Anzeigenblatt erschien zum ersten Mal am 10. Mai 1919 in Kösching und Umgebung. Es wurde Anfang der dreißiger Jahre eingestellt. Zu Beginn wurde mit einer Samstagsausgabe gestartet. In den späteren Jahren gab es meist zwei, manchmal auch drei Ausgaben in der Woche.

Für die SPD Kösching war dies natürlich äußerst interessant, da auch die Sozialdemokraten zu ihren Versammlungen und Feiern in unregelmäßigen Abständen Inserate in den Köschinger Anzeiger setzten und somit ein schriftlicher Nachweis vorhanden ist, dass es auch in Kösching bereits kurz nach dem Ersten Weltkrieg einen Ortsverein gegeben hatte. Bis zum damaligen Zeitpunkt war eine Anzeige vom 01.05.1920 der älteste Beweis, dass ein Ortsverein der SPD in Kösching existiert hatte. Mit dem jetzt wieder entdeckten ersten Band ist geklärt, dass es bereits 1919 organisierte Sozialdemokraten in Kösching gab.

Die erste Anzeige der „Sozialdemokratischen Partei – Sektion Kösching“ erschien bereits in der dritten Ausgabe. Eingeladen wurde zur Versammlung am Sonntag, 25. Mai 1919 in das Gasthaus zum „Bach-Bräu“. Damit blickt die SPD in Kösching auf eine über 90jährige Geschichte zurück. Weitere Anzeigen erschienen im August zu einem großen Sommerfest, einer weiteren Versammlung im Dezember und einer Christbaumfeier ebenfalls im Dezember.

Noch weit bedeutender ist jedoch die Tatsache, dass die Köschinger Sozialdemokraten bereits am 15. Juni 1919 mit einem eigenen Wahlvorschlag zu den Gemeindewahlen angetreten sind. Als Wahlvorschlag Nr. 2 „Sozialdemokratische Mehrheitspartei“ traten 18 Bewerber gegen den Wahlvorschlag Nr. 1 „Vereinigte Bürgerliste“ mit 19 Bewerbern an.

Auch die Gewerkschaft ist nun nachweislich im Jahr 1919 in Kösching aktiv. Ende des Jahres 1919 erscheint eine Anzeige des „Deutschen Metallarbeiter Verbands – Ortsgruppe Kösching“ und lädt für den 10. Januar 1920 zur „Monats-Versammlung“ in das „Gasthaus zum Bachbräu“ ein.

Besondere Bedeutung für die Entwicklung der Arbeiterbewegung in Kösching hatte auch der von Hugo Schattauer und Franz Josef Schnurer im Jahre 1921 gegründete Arbeiter-Gesangverein „Frohsinn“. Bereits am 3. Dezember des gleichen Jahres hat dieser Verein ein Konzert mit Christbaumfeier im Ambergersaal gegeben. Gleichzeitig ist er als Bildungsverein aufgetreten, der die Arbeiter über geschichtliche und politische Themen aufklären wollte. Als Beispiel für die aufblühende Arbeiterkultur nach dem Ersten Weltkrieg in Kösching steht auch der Radfahrerverein „Solidarität“ sowie der FC Kösching.

Schon während des Ersten Weltkriegs hatte sich die USPD als linke Strömung von der SPD abgespalten und erhielt bis 1921 großen Zuspruch. So auch in Kösching. Nach dem Sturz der linken USPD in die Bedeutungslosigkeit ging der Großteil der Köschinger Wähler ins kommunistische Lager. Bei den Reichstagswahlen 1924 war der Markt Kösching die weitaus stärkste Hochburg der „Roten“ im ganzen Landkreis (KPD 228 Stimmen; SPD 36 Stimmen).
Die Normalisierung der wirtschaftlichen und innenpolitischen Verhältnisse brachte starke Veränderungen bei den Reichstagswahlen 1928 (SPD 314 Stimmen; KPD 71 Stimmen; BVP 254 Stimmen, Bayerischer Bauernbund 137 Stimmen; NSDAP 10 Stimmen).
1930 wurde dieses Kräfteverhältnis weitgehend bestätigt. Bei den beiden Reichstagswahlen 1932 konnte man dann die zunehmende Radikalisierung im linken und rechten Lager erkennen (SPD 248 Stimmen; KPD 206; BVP 394; Bauernbund 16, NSDAP 125).

Die Nazi-Diktatur 1933-1945

Die letzte Reichstagswahl am 05. März 1933 verschob die Kräfte dann (SPD 305 Stimmen, KPD 121, BVP 383, Bauernbund 21, NSDAP 330) Vereint wäre die freie Arbeiterschaft aber immer noch die stärkste Kraft gewesen.

Bei der Volksabstimmung im November 1933 stimmten immer noch 28 Bürger mit „Nein“ (Im ganzen Wahlkreis 314). Bei der Reichstagswahl 1936 waren noch 15 Personen in Kösching gegen den „Führer“; 15 von 40 im ganzen Bezirksamt.
Am 22. Juni 1933 verbietet Reichsinnenminister Frick die Tätigkeit der Sozialdemokratie im Reich. Mit dem Ende jeglicher Form legaler Parteiarbeit in Deutschland gibt es für Sozialdemokraten im Kampf gegen den Hitler-Faschismus nur noch den Weg in den Untergrund oder ins Exil. Der Sprecher der Köschinger SPD, Thomas Ferstl, Großvater des heutigen Thomas Ferstl, wurde damals verhaftet und von seinem Arbeitgeber, der Muna Desching, fristlos entlassen. Er starb 1935.

Der Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg

Am 27. April 1945 trafen amerikanische Truppen in Kösching ein. Am 18. Mai 1945 wurde ein erster Ständerat gebildet, dem die beiden Arbeiter Michael Gößl und Rupert Ried angehörten. Am 29. September 1945 wurde ein neuer Ständerat gebildet. Diesem gehörten auf Seiten der Arbeiter wiederum Rupert Ried und Ludwig Freisinger an. Am 17. Oktober 1945 trat dann der eingesetzte Bürgermeister Simon Diepold zurück und es wurde der Maurer Melchior Mayerhofer eingesetzt.

Bereits im November 1945 hat es die „Sozialdemokratische Partei Ingolstadt“ (SPI) unter maßgeblicher Mitwirkung des von den Amerikanern eingesetzten Landrats Josef Strobl gegeben. In diese SPI waren im Laufe des Jahres 1946 viele Köschinger eingetreten, darunter Thomas Ferstl senior. Erst am 6. Mai 1946 ist der Ortsverein Ingolstadt in den Kreisverein Ingolstadt und den zwei Ortsvereinen Ingolstadt und Kösching umgewandelt worden.

Am 27. Januar 1946 kam es zur ersten Kommunalwahl nach dem Krieg. Als Gemeinderäte für die SPD wurden Melchior Mayerhofer, Josef Meier, Rupert Ried und Oskar Roth gewählt. Die SPD erhielt 444 Stimmen, KPD 136 Stimmen und die CSU 524 Stimmen. Da keiner der Bürgermeisterkandidaten Melchior Mayerhofer (SPD), Richard Scheringer (KPD) und Max Mayer (CSU) eine Mehrheit erhielt, kam der Gemeinderat am 31. Januar 1946 zusammen. Dabei erhielt Melchior Mayerhofer 7 Stimmen (von 9).

Bereits am 09. November 1946 gründeten 12 SPD-Mitglieder den Ortsverein Kösching und wählten Julius Krenig zu ihrem Ersten Vorsitzenden. Sein Stellvertreter wurde Thomas Ferstl senior, Schriftführer und Flüchtlingsbeauftragter wurde Erich Melzer. Die Kasse führte Johann Sterzl. Insgesamt hatte der Ortsverein 18 Mitglieder. Weitere Vorsitzende der SPD in Kösching waren bis 1952 Josef Meier und Hugo Schattauer.

Bei den Gemeinderatswahlen 1948 wurden Thomas Ferstl senior, Melchior Mayerhofer, Josef Meier und Erich Melzer gewählt.

1952 begann eine neue Ära im Ortsverein. Mit der Wahl von Thomas Ferstl senior zum Vorsitzenden der Partei ging es spürbar aufwärts. 1952 wurden neben Ferstl, Hermann Kellermeier, Melchior Mayerhofer, Josef Meier und Thomas Wittmann (bis 1954) gewählt. Julius Krenig gehörte dann von 1954 bis 1956 dem Gemeindeparlament an.

1956 tauchte mit Karl Dollinger ein weiterer Name auf, der mehr als zwei Jahrzehnte die Politik in Kösching maßgeblich bestimmte. 1956 wurde er in den Gemeinderat gewählt und bereits 1960 von den Wählern zum Ersten Bürgermeister der Marktgemeinde bestimmt. Er blieb es bis 1984, wobei er nie das SPD-Parteibuch besaß. Die SPD hatte ab dem Zeitpunkt die absolute Mehrheit mit 10 Sitzen (von 16) Diese Mehrheit konnte bis 1996 verteidigt werden.

Mitte der fünfziger Jahre, Anfang der sechziger Jahre kamen neue Gesichter in den Gemeinderat: Konrad Fillisch (1956-1984), Thomas Mayerhofer (1956-1990), Lorenz Lindner (1956-1978), Markus Rauscher (1956-1972), Willi Windorfer (1960-1978), Bernhard Dimperl (1960-1966 und 1972), Franz Ernhofer (1960-1972), Rudolf Langer (1960-1972), Erich Sitzmann (1960-1966), Josef Hafenrichter (1966-1972) und Michael Betz (1966-1984).

In all den Jahren war natürlich Thomas Ferstl senior mit dabei. Seit 1952 Vorsitzender bis 1985 (33 Jahre), seit 1948 im Gemeinderat (insgesamt 36 Jahre), seit 1960 bis 1984 Zweiter Bürgermeister, 22 Jahre Mitglied des Kreistages (1956-1972 Landkreis Ingolstadt; 1972-1978 Landkreis Eichstätt), davon 11 Jahre stellvertretender Landrat des Kreises Ingolstadt (1961-1972), zu dem Kösching bis 1972 gehörte. Von 1963 bis 1984 war Ferstl außerdem hauptamtlicher Geschäftsführer des SPD-Unterbezirk Ingolstadt.

Die sozialdemokratischen Siebziger Jahre

Die siebziger Jahre waren geprägt von anhaltender Zustimmung für die Politik der SPD. 1972–1978 waren 12 SPDler Mitglied des Gemeinderates (von 20). Neue Namen wie Manfred Biehler, Johann Brüll, Josef Raufer, Rudolf Ullinger, Richard Waizinger und Hermann Zinner tauchten im Gemeinderat auf und bewährten sich. Die Fraktion führten in diesen Jahren Thomas Mayerhofer und Michael Betz. 1978 wurde mit Inge Irtenkauf die erste Frau und Sozialdemokratin in den Köschinger Gemeinderat gewählt.

Die Gebietsreform 1972 brachte die Orte Bettbrunn und Kasing zu Kösching. Auch im Gemeinderat waren die beiden Ortschaften schnell sozialdemokratisch vertreten. Andreas Uttlinger (1972-1978) für Bettbrunn, Josef Haas (1972-1978), Josef Zacherl (1978-1990) und Rudolf Pasurka (1990-2002) jeweils für Kasing.

1973 wurde im Gasthaus Amberger die Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialisten im SPD-Kreisverband Donau-Altmühl neu gewählt. Und Juso-Kreisvorsitzender wurde Siegfried Betz. Am 30.09.1974 hatte der SPD-Ortsverein 109 Mitglieder.

Der Generationenwechsel in den Achtziger Jahren

Ein großer Wandel in der Geschichte des SPD-Ortsvereins trat in den achtziger Jahren ein. Der sogenannte „Generationenwechsel“ wurde notwendig. Bürgermeister Karl Dollinger kandidierte aus Altersgründen nach 24 Jahren nicht mehr für das Amt des Bürgermeisters. Ein Nachfolger musste gefunden werden. Auch Thomas Ferstl senior plante seinen Rückzug.

Im Oktober 1983 wählten die Köschinger Sozialdemokraten deshalb den damals 41-Jährigen Kämmerer der Marktgemeinde zum Bürgermeisterkandidaten. Er hieß Siegfried Betz. Und mit ihm verteidigte die SPD 1984 das Amt des Bürgermeisters und die Mehrheit im Gemeinderat. Der Zweite Bürgermeister hieß erneut Thomas Ferstl. Aber diesmal mit dem Zusatz „junior“. Neu im Gemeinderat waren außerdem Hans Bauer, Josef Bauer (der zum Fraktionssprecher gewählt wurde) und Markus Rauscher.
Die folgende Zeit brachte für die Gemeinde viele Neuerungen. Erinnert werden muss dabei an die Innerortssanierung, die Totalrenovierung von Kloster und Rathaus, die das Gesicht des Marktes bis heute prägt, die Sanierung der Kindergärten, die Freibaderweiterung, die Ausweisung neuer Baugebiete, den Bau der Mehrzweckhalle und vieles mehr. Auch im SPD-Ortsverein tat sich einiges. Nach 33 Jahren als Erster Vorsitzender trat Thomas Ferstl senior nicht wieder an. Mit nur 31 Jahren übernahm Norbert Kniselies die Geschicke des Ortsvereins. Eine neue Zeit war angebrochen.

Bereits am 01.11.1984 hatte sich eine erste Arbeitsgemeinschaft im Ortsverein gegründet. Im Gewerkschaftsheim trafen sich Norbert Kniselies (der eingeladen hatte), Dieter Betz, Franz Betz, Manfred Hofweber und Willy Wriggers und gründeten die Jungsozialisten Kösching. Erster Juso-Vorsitzender wurde Norbert Kniselies. Allerdings nicht lange, da er bereits im Februar 1985 zum Ortsvereinsvorsitzenden gewählt wurde. Ihm folgte Manfred Hofweber bis 1989. Dann Dieter Betz bis 1999 und bis 2009 Christian Hofweber. Der Ortsverein wuchs in den achtziger Jahren auf 160 Mitglieder an. Am 16. Oktober 1989 gründete dann Mirjana Hamberger die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) und blieb deren Vorsitzende bis 1995. Seitdem leitet Annemarie Pietzonka die Geschicke der Köschinger SPD-Frauen.

Bei den Kommunalwahlen 1990 wurde Siegfried Betz erneut zum Bürgermeister gewählt. Die Mehrheit im Gemeinderat konnte verteidigt werden. Neu im Gemeinderat waren Manfred Hofweber als neuer Fraktionssprecher, Norbert Kniselies, Rudolf Pasurka und ab 1995 Mirjana Hamberger. 1993 kandidierte Norbert Kniselies nicht mehr zum 1. Vorsitzenden und sein Nachfolger für die nächsten zehn Jahre wurde Thomas Ferstl. Bereits 1994 gründete Rudolf Ullinger die Arbeitsgemeinschaft 60plus und gab damit den Seniorinnen und Senioren ein eigenes Forum.

Die Rote Insel im Schwarzen Meer

Am 18.03.1994 veranstaltete der SPD-Ortsverein sein erstes Starkbierfest in der Ambergerhalle. Gastrednerin war Landesvorsitzende Renate Schmidt. Dabei prägte Landtagsabgeordneter Dr. Manfred Schuhmann, der bis heute bei den Starkbierfesten immer als „Pater Barnabas“ auftritt, den Satz von „der Roten Insel im Schwarzen Meer“. Renate Schmidt war allerdings nicht die erste prominente Rednerin in Kösching. Erinnert werden muss an den Besuch von Hans-Jochen Vogel 1971 anlässlich des 25-Jährigen Bestehens des Ortsvereins, an Rudolf Schöfberger 1986 zum 40-Jährigen Bestehen, an den damals Regierenden Bürgermeister von Berlin Walter Momper 1985, der nach der Veranstaltung im Garten von Bürgermeister Siegfried Betz saß und Brotzeit machte, an Bundesgeschäftsführerin Anke Fuchs 1990 beim politischen Aschermittwoch und an den ersten Besuch des damaligen Ministerpräsident Gerhard Schröder im Juni 1993.

Die Reihe der 1994 gestarteten Starkbierfeste brachte so ziemlich alle bekannten Namen der Sozialdemokratie nach Kösching: Rudolf Scharping 1997, Ingrid Matthäus-Maier, 1998, Regine Hildebrandt 2000, Franz Müntefering 2001, Wolfgang Clement 2002, Franz Maget 2003, Ludwig Stiegler 2004, Fritz Schösser 2005, Hubertus Heil 2006, Otto Schily 2007, Kurt Beck 2008 und Florian Pronold 2010. Das absolute Highlight war am 09. August 2005 der Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Nicht vergessen darf man aber auch das 50-Jährige Jubiläum mit dem ehemaligen Landrat Dr. Otto Stinglwagner 1996 und der Besuch von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück 2008.

Die Kommunalwahlen 1996 brachten wieder das erhoffte Ergebnis. Siegfried Betz wurde als Bürgermeister wiedergewählt. Leider ging die Mehrheit im Gemeinderat verloren. Neu im Gemeinderat waren ab 1999 Annemarie Pietzonka, Andrea Bauer ab 2000 und Magdalena Wiese ab 2001.
Die neunziger Jahre brachten dem Ortsverein einen starken Schub an Mitgliedern. In den Jahren 1996 bis 2002 wurden mehr als 100 neue Mitglieder für den Ortsverein geworben. So kam es, dass 1999 der Ortsverein erstmals mehr als 200 Mitglieder hatte, in der gesamten Region unerreicht.

Das neue Jahrtausend

Im neuen Jahrtausend dann ein erneuter Umbruch in der Partei. Bürgermeister Siegfried Betz geht in den Ruhestand. Die SPD schickt Thomas Ferstl ins Rennen und schafft es nicht den Bürgermeistersitz zu verteidigen. Nach 42 Jahren stellt die SPD nicht mehr den Bürgermeister und erringt nur 7 Sitze im Gemeinderat. Neu dabei: Dieter Betz, Peter Ladenburger und seit 2004 Josef Wild.
2003 kandidiert Thomas Ferstl nicht mehr zum 1. Vorsitzenden und die SPD-Mitglieder schenken Dieter Betz das Vertrauen. Bei den Kommunalwahlen 2008 kann Dieter Betz den Bürgermeisterposten nicht zurückerobern. Die Gemeinderatsfraktion schrumpft auf fünf Mitglieder. Andrea Bauer übernimmt den Fraktionsvorsitz. Im Dezember 2009 geht eine Ära im Gemeinderat zu Ende. Thomas Ferstl verabschiedet sich nach 25 Jahren aus dem Kommunalparlament. Damit ist seit 1948 zum ersten Mal der Name Ferstl nicht mehr im Gemeinderat vertreten.

Ein neuer Höhepunkt ist die Kommunalwahl 2014. Dort wird Andrea Ernhofer mit 57,85 Prozent in der Stichwahl zur ersten Bürgermeisterin gewählt. Der amtierende Bürgermeister verliert 30 Prozent und wird nach 12 Jahren abgewählt. Die Gemeinderatsfraktion wächst wieder auf sechs Mitglieder und Manfred Hofweber wird zum 3. Bürgermeister gewählt. Den Fraktionsvorsitz übernimmt Dieter Betz.

Soweit ein Auszug aus der Geschichte des SPD-Ortsvereins. Viele Höhen und auch Tiefen haben die Mitglieder erlebt. „Erfolge kommen nur durch harte Arbeit und Geschick zustande und sind immer mit Menschen verbunden, denen man Vertrauen schenkt und die es dann auch rechtfertigen“, so der ehemalige Landtagsabgeordnete Dr. Manfred Schuhmann 1996 in der Festschrift zum 50-Jährigen Jubiläum.

Ein großer Dank gebührt allen Genossinnen und Genossen, die sich in den vergangenen 95 Jahren für die Marktgemeinde und seine Menschen eingesetzt haben und dies auch zukünftig tun werden. Der SPD-Ortsverein Kösching ist kraftvoll und lebendig. Was die Zukunft bringt, ist ungewiss. Politik muss gestalten und unsere Heimat voranbringen. Die SPD Kösching möchte ihren Beitrag dazu leisten.

Quellen:
Dr. Theodor Straub; Zur Geschichte der freien Arbeiterbewegung im Raum Ingolstadt und insbesondere in Kösching; Festvortrag 2006
Rudolf Winterstein; Die Arbeiterbewegung in Kösching
Köschinger Anzeiger 1919, 1920
Archiv der SPD Kösching