Thomas Ferstl starb mit 78 Jahren am 07. Februar 2025 in Kösching

26. Februar 2025

Der langjährige 2. Bürgermeister, Gemeinde- und Kreisrat sowie Träger der Georg-von-Vollmar-Medaille der BayernSPD starb mit 78 Jahren am 07. Februar 2025 in Kösching.

Thomas Ferstl wurde am 13. Dezember 1946 als Zweites von vier Kindern in Kösching geboren. Seine Ausbildung macht er bei der Deutschen Bundespost und blieb dort bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2000. Als Postbote ist er bald überall bekannt und beliebt. Er lernt dabei auch den Umgang mit den Menschen und wird oftmals mit deren großen und kleinen Sorgen konfrontiert. Als Postler wird er am 01.09.1961 Mitglied der Gewerkschaft und merkt früh wie wichtig es ist sich zu organisieren, um gemeinsam seine Rechte zu erstreiten.

Er hatte durch seinen Großvater Thomas Ferstl und seinen Vater Thomas Ferstl eine starke sozialdemokratische Prägung. Bereits im Juni 1919 gab es einen Wahlvorschlag der SPD Kösching zu den Gemeindewahlen. Der Name Ferstl taucht zwar noch nicht auf dem Wahlvorschlag auf, aber in den Folgejahren ist der Großvater von Thomas Ferstl bereits aktiver Sozialdemokrat, der wiederum seinen Sohn Thomas Ferstl so entscheidend prägt, dass dieser nach dem 2. Weltkrieg Mitglied im Ortsverein wird und in den folgenden Jahrzehnten diesen entscheidend prägt.

Somit sind die Wurzeln, zumindest in sozialdemokratischer Hinsicht klar dargelegt. Der Vater von Thomas, Thomas sen. tritt am 26.11.1946 in die SPD ein. Seit 01.03.1946 ist er Mitglied der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands. Er ist von 1952-1985 Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, von 1948-1984 Mitglied des Gemeinderats, 24 Jahre 2. Bürgermeister, 22 Jahre Mitglied des Kreistages (1956-1978), davon 11 Jahre stellv. Landrat (1961-1972). Auch sonst hat er sein Leben ganz der Partei verschrieben und ist seit 1963 hauptamtlich Geschäftsführer des SPD-Unterbezirk Ingolstadt.

Wer so einen Vater hat, der will entweder mit dem Ganzen gar nichts zu tun haben, oder er wird so politisiert, dass er ebenfalls Gefallen daran findet sich in der Kommunalpolitik für die Menschen und seine Heimat einzusetzen. Thomas Ferstl hat sich für das politische Engagement entschieden.

Das nächste wichtige Datum in seinem Leben war, so hat er es zumindest am 21.10.2001 bei seiner Vorstellungsrede als Bürgermeisterkandidat wörtlich gesagt: „Ein sehr wichtiges Datum in meinem Leben ist der 30. Dezember 1969. An diesem Tag heiratete ich meine Frau Rosi. Aus unserer Ehe gingen 3 Mädchen und 1 Sohn, die bereits alle erwachsen sind, hervor. Inzwischen haben wir auch vier Enkelkinder, die uns viel Freude bereiten.“ Mittlerweile sind es sechs Enkelkinder und ein Urenkel.

Es dauerte dann noch knapp 2 ½ Jahre bis Thomas Ferstl am 16.06.1972 Mitglied der SPD wurde. Der Gemeinderat blieb ihm zunächst allerdings verwehrt, weil ja mit seinem Vater ein Ferstl dort tätig war und unsere Gemeindeordnung es nicht zuließ, dass Geschwister oder Vater-Sohn etc. gleichzeitig ein Gemeinderatsmandat bekleiden konnten.

So richtig los ging es dann am 24.11.1983 mit dem Kreistag. An diesem Tag rückte Thomas Ferstl in den Kreistag nach und betrat so könnte man es pathetisch nennen „die politische Bühne“. Diesem gehörte er bis 2008 an.

Zu diesem Zeitpunkt waren aber auch die politischen Weichen in der Gemeindepolitik schon gestellt. Im Mai 1984 gab es einen großen Generationswechsel im Gemeinderat. Neuer 1. Bürgermeister wurde Siegfried Betz und die SPD-Fraktion errang erneut 10 Gemeinderatsmandate, darunter auch Thomas Ferstl jun.. In der ersten Sitzung im Mai 1984 wurde er zum 2. Bürgermeister gewählt und blieb es 18 Jahre bis 2002. In dieser Zeit hatte er entscheidenden Anteil an den Weichenstellungen, die den Markt Kösching zu dem gemacht haben, was er heute ist.

Ohne Innerortssanierung, Rathausumbau, Sanierung des Klosters, Bau der Mehrzweckhalle, Bau des Kindergarten Stegbach, Erweiterung des Freibades mit Rutsche, Ausweisung großer Baugebiete und vieles mehr, wäre Kösching nicht der attraktive Markt, der er ist.

SPD-Vorsitzender Dieter Betz würdigte Thomas Ferstl bei der Beerdigung am 25. Februar 2025: "Die ganzen Jahre hindurch hat Thomas immer gezeigt, dass er ein Teamspieler war. Er hat sich, ohne Ansicht welcher Partei jemand angehört hat, immer für die eingesetzt, die seine Hilfe brauchten. Er hatte immer ein offenes Ohr für seine Mitbürgerinnen und Mitbürger. Als Erfolgsrezept seines Wirkens fallen mir fünf Prinzipien ein, die all die Jahre sein Handeln bestimmt haben, nämlich Ehrlichkeit, Standfestigkeit, Toleranz, Kompromissfähigkeit und soziale Gerechtigkeit. Dafür stand er all die Jahre. Er war insofern für Alle ein Vorbild und verdient unser aller Respekt."

Der TSV Kösching war neben der SPD seine große Leidenschaft. Er trat im Jahre 1964 als 17-Jähriger in den TSV ein und etablierte zusammen mit anderen Bergsportbegeisterten eine neue Sportart. Mit der Gründung der Skiabteilung legten sie den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert. Früh übernahm er Verantwortung. Zur ersten Sitzung der neuen Abteilung im Februar 1964 wurde ihm das Amt des Jugendleiters übertragen. Im Juni 1973 übernahm Thomas Ferstl das Amt des stellvertretenden Abteilungsleiters. Ab 1981 leitete er die Abteilung 8 Jahre lang selbst.

Am 1. April 1989 konnten die Skifahrer unter seiner Leitung das erste Jubiläum mit der 25 Jahr Feier begehen. Die Skiabteilung war bis dahin auf über 450 Mitglieder angewachsen. In diesem Festakt wurden ihm in Anerkennung für besondere Verdienste um den Skilauf die goldene Ehrennadel sowie der Ehrenbrief des Bayerischen Skiverbandes überreicht.

Über 25 Jahre lang prägte Thomas Ferstl den Skisport in Kösching, durch seinen ehrenamtlichen Einsatz. Thomas Ferstl war aber nicht nur Funktionär. Als Sportler gewann er 1965 die erste Vereinsmeisterschaft in seiner Altersklasse. Zusätzlich zu seinen skisportlichen Aktivitäten brachte er sich auch als Übungsleiter in der Turnabteilung ein.

In der Jahreshauptversammlung des TSV Kösching im Jahr 1981 wählten ihn die Mitglieder zum 2. Vorsitzenden des Vereins. Dieses Amt übte Thomas Ferstl 32 Jahre lang aus. Davon18 Jahre lang an der Seite seines ehemaligen Lehrers und Freundes Hans Bauer. Mit Gerhard Pritschet, als drittem im Bunde, lösten sie die Ära Karl Dollinger beim TSV Kösching ab.

Sport, Bewegung und Gemeinschaft waren ihm stets ein Anliegen, dafür setzte er sich unermüdlich ein, auch wenn es bedeutete die eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen. Zu wichtig waren ihm die Aufgaben, die er für das Gemeinwohl übernahm.

Während seiner Amtszeit als 2. Vorstand des TSV Kösching nahm das Sportangebot des Vereins stetig zu. Die Mitgliederzahl wuchs auf über 2000 an. Bei aller Freude über den Erfolg war Ihm aber bewusst, dass es Wachstum nicht umsonst gibt. Neue Sportstätten mussten geschaffen, bestehende erweitert werden. Nicht nur als Vorstand, auch als Marktrat und 2. Bürgermeister machte er sich darum für den Bau der Mehrzweckhalle stark und gilt als Vater dieser Sport- und Begegnungsstätte.

TSV-Vorsitzender Denis Zschiesche auf der Beerdigung: "Ginge es nach uns im TSV würde diese Halle längst seinen Namen tragen. Für weiter reichende Ideen zum Ausbau der Sportstätten waren die Widerstände aber letztlich zu groß. Gerne hätte er noch mehr erreicht. In tiefer Dankbarkeit gedenken wir heute einer Persönlichkeit dessen Name mit Wachstum und Blüte unseres Vereins fest verbunden ist. Das Wirken von Thomas Ferstl für den TSV Kösching ist uns Vorbild und Ansporn. Darum versprechen wir heute, diesen Verein in seinem Sinne und mit aller Entschlossenheit weiterzuführen."

Sein Engagement machte aber nicht Halt beim Gemeinde- und Kreistag und beim TSV. Er war in zahllosen Vereinen wie Arbeiterwohlfahrt, Feuerwehr, Obst- und Gartenbauverein und beim 6er Club aktiv, im Pfarrgemeinderat, der Kirchenverwaltung, im SPD-Unterbezirk und natürlich im Ortsverein seiner SPD, den er von 1993 bis 2003 mit viel Herzblut geführt hat.

2002 hat sich Thomas Ferstl um das Amt des 1. Bürgermeisters beworben. Die Wähler haben damals anders entschieden. Aber Thomas Ferstl und das war sehr beeindruckend, hat nicht den Kopf in den Sand gesteckt und alles hingeworfen, sondern weitergemacht, weil er es nicht für sich getan hat, sondern für die Gemeinschaft und seine Partei die SPD. Am 17. Dezember 2009 schied er dann auf eigenen Wunsch nach 25 Jahren aus dem Gemeinderat aus. Dafür wurde ihm die Goldene Bürgermedaille der Marktgemeinde verliehen. Am 01.09.2010, am 90. Geburtstag seines Vaters, erhielt er die Georg-von-Vollmar-Medaille, die höchste Auszeichnung der BayernSPD, für sein langjähriges Engagement.

Am 25.06.2011 nahm sein Leben dann eine einschneidende Änderung. Von einer Sekunde auf die andere fiel er auf der Sonnwendfeier ins Koma, wurde wiederbelebt und überlebte knapp. Aber auch hier war er ein Kämpfer, kam zurück und durfte, trotz großer gesundheitlicher Einschränkungen noch weitere 14 Jahre leben.

Am 07. Februar 2025 verstarb er unerwartet im Kreise seiner Familie in der Klinik Kösching.

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